Abstract
Zusammenfassung
Fragestellung
Rollstuhlpatienten leiden sehr häufig an Schulterbeschwerden und Rotatorenmanschettenrupturen. Ziel dieser Studie war die Erfassung der spezifischen Risikofaktoren für die Entstehung der Rotatorenmanschettenruptur bei paraplegischen Patienten.
Methoden
In diese Querschnittstudie (Evidenzlevel III) wurden 217 Paraplegiker mit kompletter Rollstuhlabhängigkeit eingeschlossen. Das Durchschnittsalter der Studienpopulation betrug 47,9 Jahre. Die durchschnittliche Dauer der Rollstuhlabhängigkeit betrug 24,1 Jahre. Bei allen Patienten der Studie erfolgte eine Erfassung möglicher Risikofaktoren für die Entstehung von Rotatorenmanschettenrupturen, eine standardisierte klinische Untersuchung, die Erhebung des Constant-Murley-Scores und eine MRT beider Schultergelenke.
Ergebnis
Bei 93 von 217 Paraplegikern (42,9 %) fand sich in der MRT-Untersuchung mindestens eine Ruptur an einem Muskel der Rotatorenmanschette. Multiple logistische Regressionsanalysen zeigten eine Assoziation folgender Risikofaktoren mit dem Vorkommen einer Rotatorenmanschettenruptur: höheres Alter, längere Lähmungsdauer, weibliches Geschlecht und höhere sportliche Aktivität. Weder BMI noch das Lähmungsniveau stellen in der untersuchten Studienpopulation Risikofaktoren dar. Die statistische Analyse ergab eine Odds-Ratio von 1,11 für das Alter, was eine Risikosteigerung für die Entwicklung einer Rotatorenmanschettenruptur um 11 % für jedes weitere Lebensjahr bedeutet. Des Weiteren zeigt die Analyse eine Odds-Ratio von 1,06 für die Lähmungsdauer, was wiederum eine Risikosteigerung der Entwicklung einer Rotatorenmanschettenruptur um 6 % für jedes folgende Jahr der Rollstuhlabhängigkeit bedeutet. Weibliche Studienteilnehmer haben im Vergleich zu Männern ein 2,6fach höheres Risiko, eine Rotatorenmanschettenruptur zu entwickeln. Sportliche Rollstuhlaktivität steigert das Risiko der Entwicklung einer Rotatorenmanschettenruptur um den Faktor 2,3.
Diskussion
Es zeigt sich eine hohe Prävalenz der Rotatorenmanschettenruptur bei rollstuhlabhängigen Paraplegikern. Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Lähmungsdauer und regelmäßiger Rollstuhlsport können eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Rotatorenmanschettenruptur spielen.